Zivilcourage II
bis heute keine Antwort…
Drochtersen, den 13.09.2006
Sehr geehrter Herr Petersen, sehr geehrter Herr Riemer-Streicher,
ich wende mich an Sie beide in Sachen der unendlichen Steuergeschichte zwischen dem Naturfilmproduzenten Burkhard Lenniger und dem Finanzamt Cuxhaven. Vergleichbar möchte ich dazu meine Erfahrungen bei der Hamburger Firma ALDEBARAN Marine Research & Broadcast erläutern.
Ich bin selbstständiger Kameramann und seit kurzem wohnhaft im Nordwesten Niedersachsens. Meine Haupteinsatzgebiete sind Themen aus den Bereichen Natur, Technik, Abenteuer, oft auch maritim geprägt, z.B. wie der Profi-Hochseeregattasport. Schon seit meiner frühen Jugend habe ich eine besondere Affinität zu Meer und Küste, sicher auch beeinflusst durch meine Eltern. Anfangs sah meine ursprüngliche berufliche Laufbahn daher auch reichlich meeresbezogen aus mit einer Ausbildung bei der Werft Blohm + Voss AG zum Maschinenschlosser mit dem späteren Ziel Schiffsingenieur auf großer Fahrt. Mit diesem Ziel vor Augen folgte dann auch nach dem Fachabitur Technik und Seefahrt in Hamburg eine zweijährige Fahrtzeit als Ingenieur-Assistent bei der Reederei HAMBURG SÜD. Während meines anschließenden Studiums der Schiffsbetriebstechnik wurde mir dann aber mehr und mehr bewusst, dass mein Hobby, die Fotografie, beruflich für mich weitaus interessanter zu sein schien.
So entschied ich mich im Alter von 24 im Jahr 1988 zu einem kompletten, doch recht riskanten beruflichen Neuanfang in den Medien mit dem Ziel Kameramann im Dokumentarischen. Nach Ausbildung beim NDR und Studio Hamburg folgten mehrere Jahre Kameraassistenz, u.a. über 2 Jahre bei Markenfilm/Wedel, Deutschlands größter Werbefilmproduktionsfirma. Doch mein Ziel war trotz allem weiterhin die Dokumentation und das nach Möglichkeit auch noch mit Meeresbezug.
Und warum erzähle ich Ihnen das alles? …Um nun den Bogen zu der Hamburger Produktionsfirma ALDEBARAN Marine Research & Broadcast zu spannen. Bei der Firma fand ich eben alles was ich suchte: Medienproduktion, Meeresforschung und sogar eine firmeneigene, hochseetaugliche 14 m Segelyacht - die knallgelbe ALDEBARAN. Von deren Geschäftsführer Frank Schweikert wurde ich sodann auch auf der Stelle engagiert - als 1. Kameramann und AVID-Cutter. Das war im Herbst 1994. Januar 1995 stieg ich dann als fest angestellter Kameramann ein und war bei ALDEBARAN als einziger Profi aus der TV/Filmbranche maßgeblich an dem Aufbau deren Video- und TV-Produktionsbereiches beteiligt. Bis dahin wurde medial “nur” hörfunktechnisch bei ALDEBARAN gearbeitet wie auch im Bereich Meeresforschung.
Bis Ende 1996 war ich fest angestellt bei ALDEBARAN (damals noch eine GmbH), seitdem auf freier Basis und es entstanden in der Zeit viele Produktionen für Auftraggeber aus Forschung und Industrie, wie auch direkt für Sender. Hauptsächlich für Deutsche Welle TV international, den WDR und NDR, 3sat und das ZDF. Für das ZDF waren wir u.a. 1996 sechs Wochen auf Küstenreport-Tour entlang der gesamten deutschen Nord- und Ostseeküste zwecks Dokumentation des aktuellen ökologischen Zustandes sämtlicher Badeorte inkl. verschiedenster touristischer Regionaltips und währenddessen alle zwei Tage live auf Sendung im ZDF Abendmagazin. Produktionsplattform war natürlich die Yacht ALDEBARAN, aber auch x firmeneigene und angemietete Produktionsfahrzeuge (z.B. ausgerüstet mit Leica Mikro- und Makroskopie-Filmausrüstung), sowie ein Ü-Wagen Konvoi vom ZDF.
All das war nur durch einen weit überdurchschnittlichen, idealistischen Arbeitseinsatz aller ALDEBARANer möglich, von denen die meisten, wie noch heute, Praktikanten waren. Nur der Geschäftsführer, die Sekretärin und ich waren fest angestellt. Natürlich verlangen Sender wie das ZDF neben professioneller Arbeit auch professionelle Arbeitsplattformen und Geräte, die den hohen technischen Sendenormen genügen. Insofern gehörte der damals noch revolutionäre computerbasierte non-lineare AVID-Schnittplatz wie auch ein weiterer linearer Schnittplatz mit diversen Monitoren und weiterer videotechnischer Peripherie zur unabdingbaren Firmenausstattung der Landbasis in Hamburg. Zudem natürlich auch der Fahrzeugpark inkl. der Hauptproduktionsplattform, der Segelyacht ALDEBARAN…ohne die ging das ganze Firmenkonzept ja gar nicht auf.
Aus Kostengründen war es deshalb natürlich auch für ALDEBARAN Marine Research & Broadcast außerordentlich wichtig, dass sämtliche Produktionsmittel, eben auch deren Yacht, vom Finanzamt als produktionsrelevant anerkannt wurden und weiterhin auch werden. Erreicht hat das der Geschäftsführer und Firmengründer Herr Schweikert, indem er die zuständigen Mitarbeiter des entsprechenden Hamburger Finanzamtes in seine Firma und auf sein Schiff einlud. Danach war dann auch die steuerliche Anerkenntnis der Produktionsmittel seitens des Finanzamtes keine Frage mehr, wie mir Herr Schweikert am 7.9.06 noch auf telefonische Rückfrage bestätigte, weil eben sämtliche technischen Einrichtungen für Film und Forschung an Land wie an Bord zweifelsfrei den professionellen Charakter des Unternehmens belegen.
Und nun der Bogen zurück gespannt zu Herrn Burkhard Lenniger und seiner Filmproduktionsfirma. Warum das Finanzamt Cuxhaven seinen umfangreich ausgestatteten Schnittplatz inkl. der teuren, hochqualitativen digital Betacam Technik (ARD/ZDF-Sendenorm!…und für Hobbyfilmer unbezahlbar) nicht voll steuerlich anerkennt ist mir völlig unverständlich. Wie soll man denn als deutscher Produzent ohne diese Technik überhaupt noch eine Chance haben in Zeiten von Discovery Channel, die heute schon auf High-Definition (HD) produzieren und damit für billig dank internationaler Zweit- und Drittverwertung den deutschen Markt erobern, aber gleichzeitig die deutschen Filmproduzenten „in die Röhre“ gucken lassen, weil sie da Budget-technisch nicht mithalten können…auf HD gedreht schon gar nicht, mal abgesehen von den dafür notwendigen gigantischen Technik-Investitionen.
Also DigiBeta bleibt somit erstmal der Standard für Produzenten wie Herrn Lenniger, was schon schwer genug ist gegenüber Discovery Channel und BBC HD-Konkurrenz. Warum dann aber zu allem Überfluss das Finanzamt Cuxhaven Herrn Lenniger das Produzentenleben unnötig schwer, nein eigentlich völlig unmöglicht macht, das ist für mich geradezu grotesk…man kann es nicht glauben. Alleine die Annahme seitens des Finanzamtes, am Schnittplatz von Herrn Lenniger werde ja nur Fern gesehen, wegen der vielen Fernseher…wie bitte???
Was Herrn Lennigers Boot als nötige Arbeitsplattform betrifft verweise ich nur auf den 1:1 vergleichbaren Fall ALDEBARAN, weshalb ich zu meiner Vorgeschichte das betreffend auch etwas ausführlicher wurde. Für Filmproduktionen im Bereich Fluss, Küste und Meer ist nun mal ein Schiff zwingend notwendig, anders wäre das Vorhaben doch überhaupt nicht umsetzbar.
Anmerken möchte ich noch, vergleichbar zu der Ehefrau Herrn Lennigers, dass die damalige Frau des ALDEBARAN Marine Research & Broadcast Geschäftsführers Herrn Schweikert zu meiner Zeit als fest angestellter Kameramann dort ebenfalls bei und für ALDEBARAN in der Landbasis wie auch an Bord der Yacht als diplomierte Meeresbiologin und Organisationsfachkraft, sowie als verantwortliche Wachgängerin auf See tätig war – auch mit ihrer gemeinsamen Tochter an Bord, die teilweise damals schon in TV-Produktionen für Kinderprogramme mitwirkte.
Übrigens kam ich erst vor kurzem mit Herrn Lenniger in Kontakt. Grund war mein Umzug zum Jahreswechsel 2005/06 mit meinem Privatwohnsitz vom geliebten Elbstrand in Hamburg-Othmarschen nach Dornbusch Nähe Stade – ich hatte mich spontan in eine kleine Reetdachkate verguckt. Nach meinem kürzlichen Besuch des HD-Workshops 2006 bei nordmedia in Hannover wollte ich dann mal sehen wer denn in der Umgebung meines neuen Zuhauses qualitativ hochwertig als Produzent im Bereich Dokumentarfilm aktiv ist. So stieß ich auf Herrn Lenniger und war schon sehr erfreut über die räumliche Nähe zu seiner Firma wie auch die ähnlichen Produktionsinteressen. Umso enttäuschter war ich, als er mir gleich zu Anfang den Wind aus den Segeln nahm was eine mögliche Kooperation zwischen uns angehen würde. Seine Aktivitäten als Filmproduzent ruhen eben seit Jahren völlig wegen dieser unglaublichen Finanzamtsblockade mit keiner Aussicht auf Lösung der Situation.
Nach einigen Gesprächen mit ihm, auch um seinen Fall etwas besser durchblicken zu können, entschied ich mich nun mich für die Sache Herrn Lennigers einzusetzen, soweit es mir jedenfalls möglich ist. Daher jetzt auch dieses Schreiben an Sie beide, da Sie, wie mir Herr Lenniger sagte, bereits über die ALDEBARAN Parallele im Bilde sind…es allerdings von einem eingeweihten ex ALDEBARANer noch einmal aus seiner Sicht geschildert bekommen sollten.
Zwecks Unterstützung für Herrn Lenniger kontaktete ich ebenfalls vor ein paar Tagen, alles jeweils aus eigenem Antrieb(!), die nordmedia in Hannover (auch wegen meines kurz zuvor abgeschlossenen Workshop-Projektes dort), die ja schon eine gewisse Art von Interessenvertretung der niedersächsischen Filmproduzenten sein sollte. Dort telefonierte ich mit Herrn Coldewey, Leiter Geschäftsbereich Förderung. Er gab mir aber zu verstehen, dass er den Fall Lenniger zwar gut aus der Presse kennt, sich aber nicht zuständig fühlt, weil es nicht um Förderung geht sondern um Steuerrechtliches. Die Angelegenheit schien ihn auch nicht weiter zu interessieren bzw. war ihm lästig, so mein Eindruck. Vielleicht, weil Herr Lenniger seine bisherigen abgeschlossenen und teils preisgekrönten Filmproduktionen immer gänzlich ohne staatliche Fördermittel realisieren konnte (…was evtl. der nordmedia irgendwie gegen den Strich geht?!) im Gegensatz zu den meisten deutschen Dokumentarfilmproduktionen, die ohne diese Filmförderung ja längst bankrott wären? Nur zu dumm, dass nun gerade staatliche Stellen, eben das Finanzamt Cuxhaven, Herrn Lenniger den Erfolg als förderungsunabhängiger Dokumentarfilmproduzent verwehren…wer soll das verstehen?
Mich würde es freuen wenn Sie sich weiterhin für Herrn Lennigers Anliegen einsetzten würden. Vielleicht hat ja meine zugegeben etwas lange Ausführung in Sachen ALDEBARAN Ihnen ein paar weitere Ansatzpunkte geliefert das sinkende Schiff Herrn Lennigers aus den Untiefen und rauen Fahrwassern der deutschen Steuergesetzgebung zu lotsen und auf den rettenden, verdienten Erfolgskurs zu bringen.
Ich bin gespannt auf Ihre Reaktion – auch gerne in Kurzform.
Mit besten Grüßen
J. P.
P.S.: Dies ist übrigens mein erstes Schreiben dieser Art überhaupt.
Ein Auszug meiner weiteren Projekte als Kameramann/Realisator auf Schiffen, die sämtlich nicht als Freizeitschiffe fuhren, auch wenn es teilweise für Außenstehende den Anschein erwecken könnte:
- SEA SHEPHERD III (Umweltorganisations-Schiff) – 1998: 2 Wochen als Realisator und Kameramann auf Dokumentarproduktion für VOX Tierzeit im kanadischen Packeis
- MS STARSHIP – Starship Millennium Voyage / 1999: 6 Wochen Karibik - Kamera und Schnitt an Bord für das Projekt und den stern als Hauptsponsor
- MS EUROPA (Kreuzfahrer) – 2001/2002: 6 Monate Reisevideoproduktionen weltweit
- ZEPHYRUS 5 (Maxiracer - 26 m Rennsegelyacht) – von Newport/USA nach Hamburg im Rahmen der Regatta DaimlerChrysler North Atlantic Challenge 2003, Filmproduktion für WDR, 3sat und den Regattaveranstalter
- MERCATOR – kleinstes deutsches Forschungsschiff – 2003: 3 Wochen Dokumentarfilm-Begleitung einer mehrmonatigen ethnologischen Forschungsreise in Polynesien
- HERMANN MARWEDE Seenotkreuzer – 2005: ZDF Dokumentation „Im Auges des Sturms“
- TUTIMA Segelrennyacht – 2006: Werbeclip für COMINVEST/Commerzbank
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Drochtersen, den 21.09.2006
Sehr geehrter Herr Petersen, sehr geehrter Herr Riemer-Streicher,
ein Nachtrag zu meiner Mail vom 13.9.2006. Gerade komme ich von Herrn Burkhard Lenniger. Ich wollte mich vor Ort von Herrn Lennigers Kamera und Videotechnik (neudeutsch Post Production Equipment) überzeugen und zu dem ausloten welche Kooperationen zwischen Ihm und mir denkbar wären.
Nach meiner Besichtigung der dortigen wirklich 1a sendefähigen Technik (ARD/ZDF-Norm), zudem noch höchst professionell installiert (MAZ-Technik in separat klimatisierten, geschlossenen Racks), wie es nur wenige Produktionsstudios in vergleichbarer Größe in Hamburg vorhalten, kann bei Herrn Lenniger nun wirklich nicht von Hobby oder Freizeit (sprich Fernsehen gucken) die Rede sein. Und schon gar nicht nach Sichtung seiner bisherigen Videoproduktionen. Außerdem wurde mir als erfahrenen Kameramann im Offshore- und Dokumentarsektor deutlich, der wie gesagt schon x Produktionen auf ähnlichen Filmprodutkionsschiffen hinter sich hat, dass das Schiff Herrn Lennigers sich vorzüglich als Naturfilm-Produktionsplattform in Küstennähe wie auch auf Flüssen darstellt.
Nicht zuletzt deshalb, weil es eben genau für den Zweck von Grund auf konzipiert und ausgerüstet wurde…genial durchdacht alles und um Längen besser als Filmproduktionsplattform einsetzbar als die in meinem ersten Schreiben erwähnte Segelyacht ALDEBARAN, weil eben einfach alles stimmig geplant wurde. Auch wenn ich das Schiff Herrn Lennigers “nur” anhand von Fotos und seinem großen, originalgetreuen Modell besichtigen konnte, so kann ich durch meine Erfahrung ganz zweifelsfrei dieses positive Urteil abgeben.
Insgesamt kann ich nur sagen: Das ganze Equipment Herrn Lennigers ruft geradezu nach Dokumentationen für Primetime Sendeplätze, u.a. im Tierfilmbereich (alleine schon der genialen Teleoptik wegen, die nun wirklich nur ganz wenige Filmproduktionen besitzen) und hat es alles andere als verdient, bedingt durch das Finanzamt Cuxhaven, ein ungenutztes Dasein in staubdichten Alu Cases zu fristen…ich wäre glücklich so eine Ausrüstung zu besitzen, jedenfalls unter Hamburger Finanzamtsbedingungen - denn dann wäre ich dort nen gemachter (Kamera-)Mann.
Technik hin oder her, denn die macht noch lange keine guten Filme, so teuer sie auch ist. Viel wichtiger sind die Personen dahinter, wie Burkhard Lenniger, mit Ideen, der nötigen Motivation, Können, Durchhaltevermögen - ja, auch das und einem Idealismus, ohne den es im Dokumentarbereich eh nicht geht. Was die Personen angeht, konnte ich meinerseits noch ein paar nützliche Netzwerkkontakte aus Filmproduktion, sowie Wissenschaft und Forschung einbringen. Und siehe da, es zeichnen sich, schneller als gedacht, gleich gemeinsame (internationale) Projekte ab, die alles andere als in weiter Ferne sind.
Es muss halt nur losgehen können. Von nix kommt nix…das war schon immer mein Motto - wenn´s auch nicht immer leicht ist es umzusetzen.
Das soweit zu Ihrer Motivation unterstützend für Herrn Lenniger an seinem Steuerfall dran zu bleiben.
Mit besten Grüßen
J. P.
P.S.: Natürlich warte ich weiterhin gespannt auf Ihr Feedback. ( darauf wird übrigens bis heute gewartet. )