entartete Kunst, eine Perversion mit weitreichenden Folgen

wir erinnern uns:

es war der Erlass vom 30. Juni 1937

der den neuen Reichskunstkammerpräsidenten Adolf Ziegler ermächtigte, „die im deutschen Reichs-, Länder- und Kommunalbesitz befindlichen Werke deutscher Verfallskunst seit 1910 auf dem Gebiete der Malerei und der Bildhauerei zum Zwecke einer Ausstellung auszuwählen und sicherzustellen“.

Es gab drei konsequente Diffamierungs-Maßnahmen der NS-Kulturpolitik: “Bücherverbrennung” im Mai 1933 in Berlin und 21 weiteren Städten, Verfolgung der Maler und ihrer “entarteten Kunst” und Verfolgung der “entarteten Musik” an den Reichsmusiktagen 1938 in Düsseldorf.

Mit der Einführung des Gesetz zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums vom 7. April 1933, mit dessen Hilfe jüdische, kommunistische und weitere unerwünschte Künstler aus öffentlichen Ämtern gewaltsam entfernt wurden, sowie der Bücherverbrennung am 10. Mai 1933 mit dem Höhepunkt auf dem Berliner Opernplatz, wurde bereits in den ersten Monaten nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten deutlich, dass die Vielfalt des Kunstschaffens der Weimarer Republik unwiderruflich zu Ende war.

Der Vernichtungsangriff auf die Moderne und ihre Protagonisten betraf alle Sparten der Kultur wie Literatur, Filmkunst, Theater, Architektur oder Musik.

1936 erging ein totales Verbot jeglicher Kunst der Moderne. Hunderte Kunstwerke, vor allem aus dem Bereich der Malerei, wurden aus den Museen entfernt und entweder für die Ausstellung „Entartete Kunst“ konfisziert, ins Ausland verkauft oder zerstört. Maler, Schriftsteller und Komponisten erhielten – soweit sie nicht ins Ausland emigriert waren – Arbeits- und Ausstellungsverbot. Das bereits seit 1933 bestehende Ankaufsverbot für nicht-arische und moderne Kunstwerke wurde verschärft. Die schrittweise Entrechtung der jüdischen Bevölkerung hatte zur Folge, dass auch zahlreiche Kunstwerke aus jüdischem Privatbesitz in die Hand des Staates fielen und, sofern sie als “entartet” galten, vernichtet oder ins Ausland verkauft wurden.

Die Ausstellung „Entartete Kunst“ wurde am 19. Juli 1937 in München in den Hofgarten-Arkaden eröffnet und zeigte 650 konfiszierte Kunstwerke aus 32 deutschen Museen. Sie zog über 3 Millionen Besucher an und damit mehr als die zeitgleich geplante “Große Deutsche Kunstausstellung” im Haus der Deutschen Kunst. Die Ausstellung wurde von Joseph Goebbels initiiert und von Adolf Ziegler, dem Präsidenten der Reichskammer der bildenden Künste, geleitet. Gleichzeitig setzte mit der Beschlagnahme von insgesamt rund 16.000 modernen Kunstwerken, die zum Teil ins Ausland verkauft oder zerstört wurden, die „Säuberung“ der deutschen Kunstsammlungen ein.

In der Ausstellung „Entartete Kunst“ wurden die Exponate mit Zeichnungen von geistig Behinderten gleichgesetzt und mit Fotos verkrüppelter Menschen kombiniert, die bei den Besuchern Abscheu und Beklemmungen erregen sollten. So sollte der Kunstbegriff der avantgardistischen Moderne ad absurdum geführt und moderne Kunst als „entartet“ und als Verfallserscheinung verstanden werden. Diese Präsentation „kranker“, „jüdisch-bolschewistischer“ Kunst diente auch zur Legitimierung der Verfolgung „rassisch Minderwertiger“ und „politischer Gegner“.

Unmittelbar nach der Übergabe der Macht an die Nationalsozialisten gaben diese in aggressiver Weise mit polizeilich erzwungenen Ausstellungsschließungen und verbalen wie tätlichen Angriffen auf Künstler und kulturelle Vereine die Linie vor, die sie hinsichtlich der Kulturpolitik in den Folgejahren durchzusetzen gedachten. Als Reaktion darauf waren mehrere Fluchtwellen von Kulturschaffenden zu verzeichnen. Direkt nach der Machtübernahme durch die Nazis flohen viele Künstler in die Nachbarstaaten Deutschlands. Die nächste Fluchtwelle wurde durch die Nürnberger Gesetze ausgelöst, die weiteren durch die Diffamierung als “Entartete” Kunst und die Novemberpogrome 1938. Beispielsweise flohen 64 Hamburger Künstler in 23 unterschiedliche Länder.

Die eingezogenen Werke wurden in einem Berliner Depot untergebracht. Die Enteignung der Museen wurde durch das “Gesetz über die Einziehung von Erzeugnissen entarteter Kunst” nachträglich am 31. Mai 1938 legitimiert. Göring verkaufte einzelne Kunstwerke, Hitler tauschte einige gegen “alte Meister”, im Hof der Berliner Hauptfeuerwache soll der Großteil verbrannt oder beiseite geschafft worden sein. 125 Werke wurden am 30. Juni 1939 in Luzern versteigert. ( Quelle: Wikipedia )