Kunst im Dienst des Staates
In Deutschland ist die Kultur fast vollständig vom Staat, d. h. einer sehr kleinen Gruppe von Politikern, abhängig. Mehr als 90% der Kulturausgaben werden aus staatlichen Haushalten (Gemeinden, Länder, Bund) finanziert, nur ein knappes Zehntel der Kulturfinanzierung kommt von privater Seite (Sponsoren, gemeinnützige Organisationen, Einzelpersonen).
Wie alle Staatsunternehmen, so ist auch die Staatskunst wirtschaftlich ein Mißerfolg. Die Politiker geben das Geld der Steuerzahler für Projekte aus, die nicht das Interesse des allgemeinen Publikums finden. So wurden z. B. 130 professionelle Symphonie- und Kammerorchester geschaffen. Allein in Berlin gibt es 8, im Ruhrgebiet 6 Orchester. Die politische Klasse unterhält auch 150 staatliche und 200 (schein-)private Theater sowie 37 Festspiele. Die staatlichen Zuschüsse an die Theater betragen 2 Milliarden Euro pro Jahr. Die staatlichen Schauspielhäuser erwirtschaften nur 16% ihrer Einnahmen selbst. Jede Eintrittskarte wird vom Staat mit 100 Euro bezuschußt.
Diese Beispiele aus der darstellenden Kunst sind keine Einzelfälle. Der demokratische Staat finanziert mit dem Geld der Mehrheit einen Kunstbetrieb, den diese Mehrheit gar nicht haben möchte. Die politische Klasse erklärt ihren Kunstgeschmack für allgemeinverbindlich und betrachtet ihre Kulturpolitik als eine Art Erziehungsdiktatur.
Diese Subventionspraxis wirft für die Künstler einige Fragen auf:
Wie läßt es sich moralisch rechtfertigen, die Gesamtheit der Steuerzahler zur Kunstfinanzierung zu zwingen, wenn ein Teil der Beitragszahler diese Kunst gar nicht kennt, sie ablehnt oder gar abscheulich findet? Würde ein subventionsempfangender Künstler freiwillig für etwas bezahlen, das er nicht mag?
Ist es gerecht, wenn über das Steuersystem Geringverdienende gezwungen werden, die Kunstkonsumtion von Gutverdienenden zu finanzieren? Warum lassen sich viele bürgerliche Gutmenschen den Besuch von Theater, Oper und Konzerten subventionieren, während die Arbeiter ihre Freizeitaktivitäten, von Fußball bis Popveranstaltung, meist selbst bezahlen? Wie ernst ist das Engagement zu nehmen, daß viele Staatskünstler für die “Unterprivilegierten” zeigen?
Wie verträgt es sich mit dem Selbstwertgefühl der Künstler, die staatliche Unterstützung fordern und erhalten, daß andere Künstler in ihrem Bereich ganz ohne Subventionen auskommen? Ist es ein Ausdruck von Talent, wenn ein Künstler am staatlichen Tropf hängt?
Kann ein Künstler kritisch und unabhängig sein, wenn er von der Gunst der Politiker abhängig ist? Welcher Subventionsempfänger wagt es, die Hand zu beißen, die ihn füttert? Gibt es einen wesentlichen Unterschied zwischen der gegenwärtigen Praxis der staatlichen Kunstpflege und jener in totalitären Staaten?
Gibt es einen Zusammenhang zwischen den finanziellen Interessen der Staatskünstler und ihrer meist sozialistischen Weltanschauung?
Die Trennung von Staat und Kulturbetrieb ist genauso wichtig wie die Trennung von Staat und Religionsbetrieb (Kirche). Ein freiheitlicher Staat, dessen Bürger immer ganz unterschiedliche Weltanschauungen haben werden, darf keine von ihnen bevorzugen oder benachteiligen. Privatpersonen steht es frei, wofür sie ihr Geld ausgeben. Der Staat hingegen muß in Kunstfragen neutral sein. ( mit freundlicher Genehmigung: Dr. Adolf Rasch, mehr Freiheit, weniger Staat )